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KerstinB

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Beiträge: 2484

New PostErstellt: 06.03.09, 22:26     Betreff: Re: diverse Konzerte

diese Überschrift passt!




Freakshow oder freudiges Ereignis?
Von Johannes Waechter

Immerhin lebt er noch. Und sprechen kann Michael Jackson anscheinend auch weiterhin. In den letzten Monaten kursierten ja wieder einmal recht bizarre Meldungen über den selbsternannten King Of Pop: Er sei so krank, dass er eine neue Lunge brauche, hieß es, er würde demnächst zum Islam konvertieren und sei außerdem in Pamela Anderson verliebt! Im Vergleich dazu wirkte sein gestriger kurzer Auftritt bei einer Pressekonferenz in der Londoner O2-Arena fast schon unspektakulär.

Jackson kündigte an, im Juli mindestens zehn Konzerte in London geben zu wollen – möglicherweise seine letzten. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt Jacksons kurzen Auftritt als "grandiose Lektion in Popkultur", der Guardian prophezeit bereits einen Riesenerfolg vor ausverkauftem Haus. Hinter die Bühne blickte hingegen die Sun: Jackson sei, ganz bescheiden, mit einigen belegten Broten zufrieden gewesen, die in seiner Garderobe bereitgehalten wurden.

Was ist von Jacksons Ankündigung zu halten? "This is it", hat er gesagt. "I just want to say that this will be my final show performances in London. This will be it. When I say this it, it really means this is it." Ein letztes großes Hurra – und dann für immer runter von der Bühne? Jackson hat zwar schon viel angekündigt, was dann später nicht eingetreten ist, aber dieser Plan klingt für mich plausibel.

Nach allem, was man weiß, ist Michael Jackson nirgendwo so sehr bei sich selbst wie auf der Bühne. Vielleicht mehr noch als seine Platten waren seine aufwendigen Tanzroutinen die Krone seiner Kunst – und gleichzeitig die Kulmination einer afro-amerikanischen Entertainment-Tradition, die über James Brown und Jackie Wilson zurück zu den legendären Broadway-Tänzern wie Bill "Mr. Bojangles" Robinson reicht. Falls Jackson tatsächlich krank ist, und gesund sieht er nicht aus, so wäre es nur logisch, dass er nun, in einem letzten Kraftakt, die alte Bühnenmagie noch einmal zum Leben erwecken möchte. (Ob das dem Klappergestell, als das er sich gestern präsentierte, tatsächlich gelingt, ist eine andere Frage.)

Aber wird er überhaupt noch einmal eine Platte machen? In den Achtzigern hat Jackson musikalische Maßstäbe gesetzt, doch hat er im Grunde genommen nie den Aufstieg des HipHop verwunden. Mit dieser Musik kann er nichts anfangen, dennoch scheint er sich den aktuellen Trends stellen zu wollen. In den letzten Jahren wurde fast jedem aktuellen Erfolgsproduzenten eine Zusammenarbeit mit Jackson angedichtet, Will.i.am soll zum Beispiel schon lange mit Jackson im Studio zugange sein. Für mich sind diese Gerüchte hauptsächlich ein Indiz dafür, dass Michael Jackson über keinen eigenen musikalischen Kompass mehr verfügt.

Dabei kommt er aus einer Tradition, in der er alt werden könnte. Die Soulmusik ist keine Jugendkultur, sondern von Sängern geprägt, die in Würde altern und dabei ihren Ausdruck noch intensivieren. Stevie Wonder, ein alter Motown-Kollege und ebenso wie Jackson einst Kinderstar, könnte ihm da als Vorbild dienen. Der einzige Weg, wie Michael Jackson seine Musikkarriere wiederbeleben kann, besteht deshalb meiner Meinung nach in der Rückbesinnung auf die Soul-Tradition, denn einen 50-jährigen Freak, der zwanghafte Jugendmusik macht, will bestimmt keiner mehr hören.

Man bedenke auch, welcher Stoff ihm zu Verfügung steht! Jacksons Lebensgeschichte ist das spektakulärste Popdrama seit Elvis, und wenn er sich entschließen könnte, nur ein Bruchteil seines Leids, seiner Zerrissenheit und Verwirrung in neue Lieder einfließen zu lassen, könnte das Ergebnis erstaunlich sein. Ich weiß, es erscheint unwahrscheinlich, dass Jackson den Kindesmissbrauch-Blues verfassst; andererseits hat er in seinen Liedern mehr von sich Preis gegeben, als es den Anschein hat. Ob "Billie Jean" oder "Man In The Mirror" – gelegentlich ist der Schrei seiner gequälten Seele im Hintergrund zu hören.

Es mag ein frommer Wunsch sein, aber ich glaube, dass die letzte Rettung für Michael Jacksons Karriere in der Rückkehr zum Soul besteht, jener Musik, die ihm seit Kindesbeinen in den Knochen steckt. Das einzige Problem dabei könnte seine Fistelstimme sein. Denn er klingt ja heute schon wie seine eigene Oma.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28425


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"Try to get away for good
Leaving on a train
Find that all that matters to me
Blew away with the wind"
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