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Domäne im Nirgendwo
Forumplay nach Vampire - Die Maskerade
Es ist eine Welt der Dunkelheit. Seid Äonen leben sie unter uns - die Kinder der Nacht, Vampire - verborgen hinter einer Kunstvollen Maskerade...
Auf den Straßen ist es ruhig. Verborgen hinter ihrem Schleier sorgt die Camarilla für Recht - Recht wie sie es für richtig hällt - und Ordnung zwischen den Kains- und Sethskindern. Doch verborgen - selbst vor dem Schleier der Maskerade - formiert sich ein Rudel des Sabbats langsam vor den Elfenbeintürmen der Camarilla. Die Anarchen werden unruhig und selbst in den Reihen der Camarilla spricht man im Flüsterton von Verrat... Der Jyhad brodelt stärker, als es auf den ruhigen Straßen den Anschein hat. Doch wer wird übrig sein, wenn sein Feuer entfacht? ...
 

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Erzähler


Beiträge: 63


New PostErstellt: 01.09.06, 05:22     Betreff: Katz und Maus

Seit Stunden starrt sie in ihr Gesicht.
Scheinbar ist Todds altes Appartement zu ihrer neuen Zuflucht geworden. Hier her kehrt sie immer wieder zurück. Hier sucht sie Schutz vor dem Tag. Und hier verliert sie mit jeder Nacht mehr die Hoffnung, Todd zu finden.
Sie sitzt vor dem Spiegel im dreckigen Badezimmer und starrt sich selbst in die Augen.
Etwas stimmt nicht.
Es ist Abscheu, aber auch Faszination, was sie in ihren schlitzförmigen Pupillen sieht. Mehr unbewusst, als bewusst, wandert ihre Hand langsam zu ihren Augen hoch. Als wolle Sarali sie berühren um zu erfahren, ob dies wirklich wahr ist. Dann erkennt sie ihre leicht deformierten Finger. Diese dunklen, spitzen Fingernägel. Diese kleinen, ledernen Verhärtungen um ihre Fingerknöchel.
Es wird ihr seltsam.
Sie sitzt vor dem Spiegel und fragt sich, wie das alles passieren konnte. Dann trifft es sie. Die Frage, was eigentlich passierte. Seit einer Woche hat sie nicht mehr getrunken. Zumindest fühlt es sich so an. Hunger. Dieses ...Etwas in ihr schreit nach Beruhigung. Und es fällt ihr schwer, dagegen anzustehen.
Sie kann sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal gesprochen hat. Das letzte, woran sie sich wirklich erinnert, ist die Katze auf ihrem Schoß. Sie weiß nicht einmal, welcher Tag heute ist. Sarali ist – wie passend – rumgestreunert, auf der Suche nach etwas, jemanden, und doch Ziellos. Zumindest scheint es ihr so. Die letzten Tage sind verschwommen, unklar.
Nachdem sie sich selbst dabei erwischt, wie sie die ganze Zeit auf ihre Entstellungen starrt, schüttelt sie skeptisch den Kopf und steht auf.
Nach der kostenlosen Werbung einer nordamerikanischen Supermarktkette, die auf dem Tisch liegt und jeden Tag von Sarali rein getragen wird, ist es Mittwoch. Der Mittwoch mehr als eine Woche später, seit Miss Patty. Langsam verschwimmt alles. Es fehlt ihr mindestens eine Woche. Nicht, dass sie sich einfach nicht erinnert. Sie weiß, sie lief rum, ging die Plätze ab, an denen sie wusste, dass Todd dort sein könnte, aber der Gedanke daran wirkt mehr wie Routine, als tatsächlich eine Erinnerung.
Aber da ist noch mehr.
Selbst diese prägenden Momente verblassen. Sie erinnert sich an das Lagerhaus. Die Frau. Diese Präsenz. Die Krallen und die Schreie. Aber es wirkt wie ein Traum, ein Film, eine Kulisse. Ihr wird kalt. Vielleicht, denkt sie für einen Moment, gehört das zum sterben dazu. Vielleicht verblasst es alles.
Unsterblichkeit. Unendlichkeit. Zeit zerstört alles.
Für einen kurzen Augenblick scheint es einfach alles leer. Ihr Tod. Ihr Jäger. Todds Verschwinden. Die ganzen, schrecklichen Bilder, wie sie wehrlose Menschen brutal, in einem Anfall völliger Raserei und Wut, zerriss. Es ist einfach nicht wirklich nah. Die Kälte nimmt zu und Sarali fühlt sich fehl am Platz. Wie im falschen Film. Es war alles da, doch wirkt es nun, wie gespielt. Erlebt, aber nicht gefühlt. Mit starrem Blick lässt sie sich auf die Couch fallen und wird aus ihrer depressionsähnlichen Phase gerissen, als sie auf etwas hartem landet. Erschrocken ruckt sie sofort wieder hoch.
Noch während sie das kleine Handy, dass zwischen den Couchkissen liegt und mit einer Ecke hervorstehen auf sie lauerte, aufhebt, fragt sie sich wieder, was sie die letzten Tagen tatsächlich gemacht hat. Das kleine Gerät liegt Federleicht in ihrer Hand und Sarali erinnert sich, Todd vor einiger Zeit öfters damit am Ohr gesehen zu haben.
Wie lange es wohl schon hier liegt...
Der Akku ist beinah leer und das Symbol dafür blinkt heftig, als würde es verzweifelt versuchen, den Ladezustand dadurch zu bessern.
Fünf neue Kurznachrichten, steht auf dem Display. Ohne nachzudenken, drückt sie den Knopf, um diese zu lesen. Die Nachrichten sind alle von einer Nacht, in einem Abstand von beinah jedes Mal genau zwanzig Minuten.
Eine neue Mailbox-Nachricht.
Zwei neue Mailbox-Nachrichten.
Drei neue Mailbox-Nachrichten.
Vier neue Mailbox-Nachrichten.
Laut dem Empfangsdatum und dem Werbekatalog sind sie vier Tage alt. Vielleicht hilft ihr das Handy ja weiter, Todd zu finden. Nummern, Namen, irgendwas. Bevor sie die Mailbox abhört – und der Entschluss dazu steht völlig außer Frage – sucht sie nach Nummern und Namen. Sie will eventuelle Anhaltspunkte aufschreiben können, bevor der Akku stirbt. Doch es ist leer. Keine Namen, keine Nummern. Nicht einmal unter 'letzte Anrufe' steht etwas. Und die einzigen Kurznachrichten sind die Mailboxbenachrichtigungen und eine Nachricht einer Nummer, wie sie von SMS-Provider aus dem Internet verwendet wird. Also nichts sagend. In der Nachricht selbst heißt es nur trocken "Ich muss mit dir reden." Wer, fragt sie sich, würde daraus erahnen können, um wen es sich handelt, und wie ein Kontakt zustande kommen solle auf diese Art. Außer natürlich, es ist schon eine Art Standartcode.
Dann wählt sie die Nummer für die Mailbox, wie die Nachricht dazu angibt. Und hoffentlich hält der Akku.
Dann fällt es ihr ein. Todd beschwerte sich damals immer über das Telefon. Er meinte, er könne manchmal kaum etwas verstehen. Der Lautsprecher hat einen Wackelkontakt, meinte er immer, wenn er telefonierte. Nur sagte er Scheißding, nicht Lautsprecher.
Sie hatte nie die Nummer von dem Handy, soweit sie sich erinnert.
Die elektronische Stimme am anderen Ende schwankt in ihrer Tonlage und bricht manchmal für ein Zehntel einer Sekunde ganz ab.
Scheißding, denkt sie sich. Aber es ist noch gut genug, die erste Nachricht zu verstehen. Die Stimme einer jungen Frau. Sie ist ruhig.
"Hey Todd", zumindest hat Sarali mit dem Besitzer noch Recht, "ich bin's. Du reagierst nicht auf meine Nachricht und ich muss das Risiko eingehen, dich anzurufen. Bitte, melde dich. Ich habe etwas..." ein leises Poltern ist im Hintergrund zu hören. "Verdammt, ich muss", wird die Stimme leiser.
In der zweiten Nachricht spricht dieselbe Frau. Doch ihre Stimme klingt, als würde sie nebenbei beschäftig sein. Ständig sind starke Schritte zu hören.
"Verdammt... Todd... ich...", dann verzerrt sich die Aufnahme und die Stimme ist nur noch ein elektronischer Hall, aber dennoch zu verstehen. "...dich. Dein Erzeuger steckt mit drin. Wir haben..." dann rauscht es nur noch, bis die weibliche Stimme wiederkehrt. "...und ich hab nicht mehr viel Zeit. Melde dich!"
Die Nachricht danach ist wieder von derselben Frau gesprochen. Und wieder wird die Aufnahme durch immer wiederkehrende, elektronische Verzerrungen gestört, die Sarali nur wegbekommt, wenn sie das Telefon am Ohr ein wenig schiebt oder schüttelt.
Den Trick sah sie bei Todd immer.
"Scheiße Todd, wo bist du?!" Die Stimme klingt panisch. Sirenen sind im Hintergrund. "Sie sind hier! Meine Zuflucht ist... Verdammt!" Ein lauter Schuss, bevor die Verbindung abbricht.
Die letzte Nachricht ist ebenfalls von einer Frau doch ist ihre Stimme eine andere. Und Sarali hat alle Mühe den Wackelkontakt auszugleichen.
"Hi Todd." Die Stimme kommt ihr bekannt vor.
"Ich habe dich nun überall gesucht..." Irgendwo hinter dem elektronischen Rauschen und den leichten Aussetzern dank dem Wackelkontakt, glaubt Sarali, die Stimme zu erkennen. "...konnte dich aber nicht finden. Niemand scheint dich gesehen zu haben."
Es liegt ihr auf der Zunge, aber es fällt ihr nicht ein.
"Ich brauche deine Hilfe. Ich bin ziemlich Ratlos, seit..." Sarali bemerkt, dass sie zwar die ganze Zeit an Todd denkt, aber es scheint nur wie ein Name ohne Gesicht. Sie weiß, er hat langes, dunkles Haar. Aber dieses Haar hängt vor seinem Gesicht und sie ist nicht in der Lage, es geistig wegzuziehen. Die ganze Zeit hat sie nur ein grobes Phantombild von Todd im Kopf. Dann wird ihr wieder kalt. Wie mit allen Erinnerungen aus jüngster Zeit, scheint auch Todd zu verblassen. Sie beschleicht das Gefühl, dass dort noch mehr war. Mehr, als an die Dinge, an die sie sich erinnert. Doch sie kommt einfach nicht drauf. Die Bilder entziehen sich einfach ihrem Gedächtnis. Genauso wie Todds Gesicht. Würde sie ihn auf der Strasse überhaupt erkennen?
Erst ist es Entsetzen. Dann Unverständnis. Zweifel.
Dann ein brechender Schock.
"...seit der Sache auf dem Dach. Bitte, melde dich. Ich werde in deiner Wohnung warten." Die Qualität wird schwächer. Die Batterie piept einmal laut. Der kaputte Kopfhörer knackt leise, aber kurz wird die Aufnahme klarer, bevor das Handy endgültig stirbt. Ein Kribbeln, wie das Stechen von tausend kleinen Nadeln, entspringt ihrer Brust und zieht sich durch sämtliche Adern. Sie ist sich sicher, oder glaubt es zu sein, niemals diese Nummer gehabt zu haben. Wie ein Nebel, der alles verschleiert.
Der Griff um das kleine Gerät verkrampft erst, dann löst er sich langsam immer mehr. Kurz vor dem Ableben des Akkus wird die Aufnahme klarer. Nun erkennt sie auch ihre Stimme.
"Bitte, lass mich nicht allein. Sarali."





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Du führst Selbstgespräche. Ich bin gar nicht da.


[editiert: 01.09.06, 05:30 von Erzähler]
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