Nonamed Hero
Lehensherr 
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Erstellt: 16.09.04, 13:19 Betreff: Re: Halvar Lotus |
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Zwei Tage waren sie nunmehr schon unterwegs. Halvar machte dieses rauhe Klima sehr zu schaffen, doch Kurin und Larcs schien es nicht im geringsten zu behindern. Doch Halvar wollte nicht zur Last werden und ließ sich nichts anmerken. Während sie liefen, wechselte kaum ein Wort zwischen den Dreien. Viel hatten sie sich in dieser Hitze nicht zu sagen und selbst dem gesprächigen Halvar schien eine Unterhaltung nun viel zu anstrengend. Als wiedereinmal die Sonne hinter den Dünen verschwand setzte die in den letzten Tagen eingeübte Routine bei den drei Weggefährten ein. Kurin setzte sich etwas abseits, beobachtete den Himmel und korrigierte wenn nötig ihren Kurs. Halvar packte das immer knapper werdende Brennholz aus und entfachte ein Feuer. Wenn Kurin zurück kam, halfen alle drei beim Zubereiten des Essens und aßen schweigend miteinander. Danach saß man noch ein wenig, jedoch sichtlich ermüdet, um das Lagerfeuer und meistens erzählte Halvar eine kurze Geschichte. Kurin und Larcs lauschten mehr oder minder aufmerksam bis selbst Halvar des Redens müde wurde und einschlief. Am Nächsten Tag wurde alles zusammengepackt und man ging so früh wie möglich weiter, denn nach Sonnenaufgang wurde die Hitze immer unerträglicher. Am Mittag des vierten Tages waren auch Larcs und Kurin sichtlich mitgenommen von den Strapazen des Klimas. Entsprechend schlecht war auch die Stimmung unter den dreien. Keiner wollte mehr mit dem anderen Reden, jeder versuchte nur irgendwie bis zu ihrem Ziel durchzuhalten. Als die Sonne ihren Zenit gerade überschritten hatte, sahen sie weit vor sich einen riesigen Schatten in der Hitze flirren. Erst dachte Halvar es wäre wieder eine Fata Morgana, wie er sie in den letzten Tagen oft gesehen hatte, doch Kurin und Larcs bestätigten ihm, dass es sich um die Stadtmauern von Gorgoron handelte. Als sie ein Stück näher gekommen waren, erkannte auch Halvar die bernsteinfarbenen Dächer der zwiebelförmigen Türme und die golden schimmernden Flügel des Stadttores. „Wenn wir erstmal dort sind schlage ich vor wir gehen in die 'Schwarze Palme' und besuchen ein paar Freunde von mir.“, schlug Larcs vor und trank einen großen Schluck aus seinem Wasserschlauch. Kurin blieb abrupt stehen und beäugte den Surs misstrauisch: „Ich glaube die Hitze ist dir zu Kopf gestiegen, Vogelmann. Was sollte uns dazu bewegen dir zu vertrauen und uns an einen Ort zu bewegen, an dem das schlimmste Gesinde des Ostens umherschleicht? Wir werden uns im Gasthaus 'zum fröhlichen Kaufmann' ein Zimmer mieten und danach wird Halvar weiter entscheiden. Ich denke am besten wäre den Tempel der Oldra zu gehen. Dort solltest du ein paar Antworten auf deine Fragen finden.“ Die beiden sahen Halvar fragend an, welcher nun so von der Verantwortung überrollt wurden, dass er im ersten Moment keine Antwort fand. Kurin und Larcs wandten sich schließlich wieder einander zu und stritten weiter: „Was willst du denn bei ein paar Priesterinnen? Ich habe einflussreiche Freunde, die uns besser weiterhelfen können.“ - „Jene die du deine Freunde nennst, werden uns am Ende sogar noch verraten! Das solltest du als einer von ihnen wissen!“ - „Du nennst mich einen Lügner? Nur weil ich ein paar Jahre als Wegelagerer gelebt habe, habe ich noch lange nicht alles von meiner Glaubwürdigkeit verloren!“ - „Wenn du nur halb so glaubwürdig wärst, würdest du uns nicht in die 'Schwarze Palme' schleppen wollen!“ Immer heftiger entwickelte sich der Streit zwischen den Beiden bis schließlich der eine den anderen am Kragen gepackt hatte und sie aufeinander losgegangen wären, hätte Halvar nicht das Wort ergriffen: „Freunde? FREUNDE?! Könntet ihr mir bitte für einen Moment eure Aufmerksamkeit schenken? Ich glaube dort hinter uns nähert sich wieder ein Problem in Form eines Sandsturms!“ Er deutete hinter sich zum Horizont, wo sich eine große Staubwolke schnell auf die Gruppe zu bewegte. Kurin und Larcs ließen unmittelbar von einander ab und starrten in die Richtung aus der der Sturm zu kommen schien. „Das ist kein Sandsturm....“, murmelte Kurin mit unheilvoller Stimme. Larcs schwang sich so hoch es sein verletzter Arm zuließ in die Lüfte und schwebte kurze Zeit über den Köpfen der beiden anderen. „Nein das ist schlimmer als ein Sandsturm.“, rief er als er zur Erde zurück kam. „Das sind Teufelsreiter aus Daresch's Gefolgschaft. Scheinbar ist jener, der euch vor ein paar Tagen entkommen ist, zu ihm gegangen und hat ihm berichtet. Und jetzt haben sie unsere Fährte gefunden.“ - „Wie viele?“, fragte Kurin knapp und zog seinen Kampfstab. Larcs schüttelte den Kopf. „Etwa ein dutzend seiner besten Reiter. Daresch will anscheinend kein Risiko mehr eingehen um euch... uns zu beseitigen.“ Kurin steckte den Stab zurück und band sich sein Gepäck fester um. „Dann sollten wir schnellstmöglich nach Gorgoron kommen, bevor sie uns einholen.“ Mit diesen Worten machte er kehrt und lief los. Halvar und Larcs folgten ihm so schnell wie möglich, doch immer wenn sie sich umsahen, kam die Staubwolke ein ganzes Stück näher. „Lauft schneller! Ich glaube kaum, dass diese Leute lange Reden halten werden!“, rief Kurin nach hinten und zog das Tempo noch weiter an. Halvar meinte jeden Moment in Ohnmacht zu fallen. Die vergangenen Tage erschienen ihm im Vergleich zu diesem Sprint wie die reinste Erholung. Schon hatte Kurin das Tor von Gorgoron erreicht und schrie den Wachen ein knappes „Teufelsreiter!“ entgegen, woraufhin diese in heller Aufregung begannen ihre Verteidigung zu organisieren. Die letzten hundert Meter zum Tor legte Halvar eher stolpernd als laufend zurück. Der Hufschlag seiner Verfolger wurde immer lauter und er glaubte bereits den Atem der Pferde im Nacken zu spüren. Mit letzter Kraft erreichte er den Torbogen und ließ sich dahinter auf die Knie fallen. Als er sich umblicke, erkannte er erst mit welcher Knappheit er dem Tod entrungen war. Die Teufelsreiter stoppten ihre Pferde kurz vor dem sich schließenden Tor, sodass sich die Tiere wütend aufbäumten. Für Sekunden blickte Halvar in die in tiefstem Schwarz schimmernden Augen des vermummten Anführers der Reiter und es war ihm, als sähe er bereits sein Ende vor sich. Dann schlossen sich die Torflügel und Halvar wurde schwarz vor Augen.
<<<<<<<<<<°>>>>>>>>>> Bote der Tage von Einst
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Stirb richtig - Die Happy!
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