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Ralf.
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Erstellt: 12.11.03, 18:07 Betreff: Eine späte Antwort zu Hartz - von Chr. Ströbele (grün)
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Sehr geehrter Ralf Hellbart!
Ihr Schreiben vom 9. Oktober habe ich erhalten.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mir mit meiner Antwort etwas Zeit gelassen habe. Pro Tag erhalte ich 30 bis 200 Zuschriften. Während der Diskussionen zu den Hartz-Gesetzen, sind es täglich über Tausend. Zeit zur Befassung mit den Zuschriften habe ich nur in den Nachtstunden und an Wochenenden, da insbesondere die Sitzungswochen ausgefüllt sind mit Sitzungen, Besprechungen und anderen Terminen. Ich komme kaum dazu, alle Zuschriften zur Kenntnis zu nehmen. Schon gar nicht habe ich die Zeit und Muße, längere Anlagen oder dicke Akten zu studieren, die häufig beigefügt sind. Nur für ganz wenige individuelle Antworten reichen meine Kapazitäten. Gleichwohl will ich nun versuchen, meine Sicht zu den Hartz-Gesetzen und mein Abstimmungsverhalten zu erklären.
Auch ich sehe diese Gesetze nach wie vor sehr kritisch, wie auch meinen öffentlichen Kommentaren zu entnehmen ist.
Für mich, so wie für einige andere Abgeordneten aus der grünen Fraktion und der SPD, die meine Kritik teilen, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder wir lehnen die Gesetzentwürfe in der ursprünglichen Fassung einfach ab und sagen Nein, wie es zahlreiche Zuschriften von uns gefordert haben, oder wir versuchen, einige wesentliche Veränderungen zu erreichen. Letztendlich verhindern konnten wir die Verabschiedung der Hartz-Gesetze ohnehin nicht, denn CDU/CSU und FDP hatten angekündigt, Regelungen wie in der ursprünglichen Gesetzesfassung vorgesehen mittragen zu wollen. Jetzt, nach der Verabschiedung der veränderten Fassung, wollen sie im Bundesrat die Veränderungen wieder rückgängig machen.
Sie ermutigen mich, dem "Mobbing" gegen die KritikerInnen der Hartz-Gesetzte zu widerstehen. Es ging jedoch nicht darum, ob wir einknicken und umfallen, ob wir dem Druck der Fraktionsführung nachgeben, sondern welches Verhalten mehr für die betroffene Bevölkerung einbringt. Wir haben uns gemeinsam für die letztere Variante entschieden.
Mit unserem Nein hätten wir ein Signal gegen die Gesetze gesetzt, mehr aber auch nicht. Durch Verhandlungen über eine Zustimmung konnten wir erreichen, dass die schlimmsten Grausamkeiten noch korrigiert wurden. Dazu zählt nicht nur die Bezahlung zumutbarer Jobs, sondern auch eine Verdoppelung des Freibetrages für Sparvermögen der Alterssicherung und dass nicht auch noch nächste Verwandte auf Unterhalt in Anspruch genommen werden können, bevor Arbeitslosengeld II bezahlt wird.
Trotz dieses Erfolges will ich die negativen Seiten des beschlossenen Gesetzespaketes und die dramatischen Einkommenseinbußen für viele Betroffene nicht kleinreden, sondern klar und deutlich benennen und immer weiter Veränderungen anmahnen.
Aber auch ich kann mich der Notwendigkeit nicht verschließen, drastische Einsparungen vorzunehmen und die Systematik der sozialen Sicherungssysteme zu verändern. Es ist ja richtig, dass grundsätzlich die großen Unternehmen und die großen Vermögen mehr heranzuziehen sind, um die Kosten der Sozialsysteme zu tragen. Daran müssen wir arbeiten und ich tue das auch, aber kurzfristig hilft das nicht weiter.
Es ist leider nicht zu leugnen, dass für Renten, Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe und Gesundheitsversorgung mehr und mehr das Geld fehlt. Wenn nicht bald was geschieht, können Renten, staatliche Hilfen für Langzeitarbeitslose, SozialhilfeempfängerInnen und Gesundheitskosten nicht mehr ausgezahlt werden.
Das liegt einmal daran, dass wegen der hohen Arbeitslosigkeit immer weniger Menschen Beiträge zahlen und immer mehr Menschen Leistungen in Anspruch nehmen müssen. Aber auch die Kosten der Gesundheitsversorgung sind in den letzten Jahren dramatisch gestiegen und steigen stetig weiter. Jeder von uns erlebt beim Arzt und im Krankenhaus, dass der Einsatz von immer neuen Medikamenten und teueren Apparaten und damit aber auch die Heilmöglichkeiten erheblich zugenommen haben. Das alles kostet viel mehr als vor einigen Jahren. Dazu kommt, dass die Menschen älter werden, nicht nur länger Rente beziehen, sondern auch länger krankenversorgt werden müssen. Die Finanzierungslücken sind eindeutig und werden immer dramatischer. Niemand kann verantworten, dass in den nächsten Monaten Renten oder Krankenversorgung nicht mehr bezahlt werden können. Sollen die Sozialbeiträge der Leute, die Arbeit haben, nicht noch viel höher steigen, sind Einsparungen notwendig.
Wo und bei wem gespart wird und wer noch zu Leistungen herangezogen werden soll, darüber kann man streiten. Auch ich bin dafür, dass Selbstständige, Beamte und Politiker in die gesetzlichen Kassen einzahlen. Aber eine Umstellung der Systeme dauert viele Jahre und löst auch nicht alle Probleme, ganz abgesehen davon, dass es bisher keine Mehrheiten dafür gibt.
Ich setze mich weiter für eine sozial gerechte Verteilung der Lasten ein. Ebensowenig wie Sie möchte ich "die Gesellschaft in Arm und Reich zumentieren". Was aber für die Lösung der einzelnen Probleme das Gerechte ist, ist damit noch nicht klar. Das gilt auch für Fragen, die mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe in das neue Arbeitslosengeld II zusammenhängen.
Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gehören eigentlich nicht zu meinen Fachgebieten im Bundestag. Ich bin kein Experte, aber ich habe gelernt, dass die Arbeitslosenhilfe nicht aus Beiträgen der Versicherten gezahlt wird, sondern aus Steuermitteln, ebenso wie die Sozialhilfe. Es handelt sich also nicht um die in Zeiten der Erwerbsarbeit eingezahlten und gesparten Beiträge, aus denen Bezieher von Arbeitslosenhilfe heute Leistungen erhalten.
Weil Sozialhilfeempfänger und Langzeitarbeitslose letztlich aus demselben Topf, nämlich dem Steuertopf, ihr Geld erhalten, macht es Sinn beide Leistungsarten zusammenzulegen. Das führt zur Vereinfachung der Abwicklung der Leistungen, ein Vorteil für Leistungsempfänger und Ämter.
Wenn aber die Existenz all dieser LeistungsempfängerInnen aus Steuermitteln gesichert wird, scheint es mir nicht gerecht zu sein, dass die ArbeitslosenhilfeempfängerInnen, die vor ihrer Arbeitslosigkeit mehr an Einkommen hatten, nun auch vom Staat mehr Arbeitslosenhilfe erhalten als die, die schon für ihre Arbeit weniger Lohn erhalten hatten. So lautet aber die bisherige Regelung. Es hat doch einiges für sich, dass alle, die vom Staat aus Steuermitteln Hilfe erhalten, gleich viel - oder besser - gleich wenig bekommen sollen und keiner und keine mehr, ob sie nun vorher Sozialhilfeempfänger waren oder ein höheres Arbeitseinkommen hatten.
Über die Höhe der Zahlungen zur Sicherung der Existenz muss man sicher streiten. Das Arbeitslosengeld II, das jetzt an die Stelle von Arbeitslosenhilfe und für viele heutigen SozialhilfeempfängerInnen an die Stelle von Sozialhilfe tritt, ist nicht viel höher als die heutige Sozialhilfe. Es sind nur ein paar Euro mehr, weil die Sachleistungen pauschalisiert dazu gerechnet werden, unabhängig davon, ob sie im Einzelfall tatsächlich notwendig sind.
Die geringe Höhe dieses neuen Arbeitslosengeldes II ist sicher nicht nur ein Problem, sondern eigentlich eine Zumutung, aber mehr ist angeblich derzeit nicht finanzierbar. Schlechter gestellt sind damit vor allem die, die früher ein höheres Arbeitseinkommen hatten und deshalb bisher mehr Arbeitslosenhilfe erhalten. Für die bisher Ärmsten, das ist nach Angabe der Regierung der allergrößte Teil, wird in Zukunft mit dem Arbeitslosengeld II nicht weniger ausgezahlt als bisher mit der Arbeitslosenhilfe, die häufig sogar geringer war, und als mit der heutigen Sozialhilfe.
Wie mir gesagt wird, haben die Menschen, die ein niedriges Arbeitseinkommen hatten, bislang ohnehin vielfach weniger Arbeitslosenhilfe erhalten als sie Sozialhilfe beanspruchen können und deshalb ergänzende Sozialhilfe erhalten. Diese Menschen würden mit Arbeitslosengeld II nicht schlechter gestellt als heute.
Entscheidend sind die Detailregelungen, wie die der Anrechnung von Ersparnissen für die Altersversorgung, des Partnereinkommen und die Zumutbarkeit von angebotenen Jobs, um nur einige zu nennen. In diesen Bereichen haben wir Veränderungen verlangt. Darüber wurde verhandelt, und wie es scheint nicht ohne Erfolg. Schlimme Grausamkeiten des ursprünglichen Gesetzes wurden korrigiert, wie die, dass jeder Job zumutbar sein sollte unabhängig von der Bezahlung. Auch ein Job mit Hungerlohn von wenigen Euro pro Stunde, zudem ohne jede soziale Absicherung. Wenn solche Angebote nicht angenommen werden, sollte das Arbeitslosengeld II bis zu 30 % gekürzt werden können. Dem Lohndumping wäre Tür und Tor geöffnet worden. Das ist im verabschiedeten Gesetz jetzt anders geregelt. Der Job, der zumutbar sein soll, muss mindestens nach der tariflichen Regelung bezahlt werden und nur wenn keine tarifliche Regelung existiert, nach dem ortsüblichen Lohn. Das ist zweifellos ein Fortschritt, wenn er sicherlich auch nicht die Verschlechterungen für viele beim Arbeitslosengeld II voll aufwiegen kann. Wie es nach der Blockade gerade dieser Verbesserungen im Bundesrat weitergeht, werden wir sehen.
Ich hoffe, ich stoße mit meinen Überlegungen bei Ihnen auf Verständnis und kann Sie davon überzeugen, dass wir uns mit den Problemen ernsthaft auseinandersetzen, selbst wenn Sie nicht alle meine Argumente teilen.
Mit freundlichem Gruß verbleibe ich
Ihr Hans-Christian Ströbele
Fazit: Auch das Denken eines "Abweichlers" ist strikt systemkonform. Mit einem bißchen Kosmetik hier und da werden nur noch Hoffnungen in der Bevölkerung geweckt, die sie nie erfüllen können / wollen(?)! Ein grundlegendes "Umdenken <-> Umschwenken", wie in der allerersten Gründungsphase der Grünen angelegt ? Alles weg ...
Übrigens: ich bin davon überzeugt, in dieser Denke wird auch die PDS nach ihrer Akzeptanz der in sich verlogenen "sozialen Marktwirtschaft" und der Unternehmensprofite landen ! Hier gilt in der Tat: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt drin um"
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www.rhellbart.de und www.carookee.com/forum/m-wie-mensch
[editiert: 31.01.07, 09:18 von bjk]
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bjk
Beiträge: 7353 Ort: Berlin
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Erstellt: 13.11.03, 01:25 Betreff: Re: Eine späte Antwort zu Hartz - von Chr. Ströbele (grün)
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>> "Wenn aber die Existenz all dieser LeistungsempfängerInnen aus Steuermitteln gesichert wird, scheint es mir nicht gerecht zu sein, dass die ArbeitslosenhilfeempfängerInnen, die vor ihrer Arbeitslosigkeit mehr an Einkommen hatten, nun auch vom Staat mehr Arbeitslosenhilfe erhalten als die, die schon für ihre Arbeit weniger Lohn erhalten hatten. So lautet aber die bisherige Regelung. Es hat doch einiges für sich, dass alle, die vom Staat aus Steuermitteln Hilfe erhalten, gleich viel - oder besser - gleich wenig bekommen sollen und keiner und keine mehr, ob sie nun vorher Sozialhilfeempfänger waren oder ein höheres Arbeitseinkommen hatten." <<
Wie verlogen ist diese ströbelesche Argumentation! Nicht nur das obige Zitat.
Werd' jetzt erst mal in die Heia geh'n und danach auf dieses Wischiwaschi-Gelabere eines abgehobenen und saturierten Berufsabgeordneten aus dem Tal der ahnungslos sein Wollenden eingehen.
bjk
Reife ist schärfer zu trennen und inniger zu verbinden
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bjk
Beiträge: 7353 Ort: Berlin
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Erstellt: 13.11.03, 14:35 Betreff: Re: Eine späte Antwort zu Hartz - von Chr. Ströbele (grün)
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Strö: (...) Pro Tag erhalte ich 30 bis 200 Zuschriften. Während der Diskussionen zu den Hartz-Gesetzen, sind es täglich über Tausend. Zeit zur Befassung mit den Zuschriften habe ich nur in den Nachtstunden und an Wochenenden, (...) Ich komme kaum dazu, alle Zuschriften zur Kenntnis zu nehmen. Schon gar nicht habe ich die Zeit und Muße, längere Anlagen oder dicke Akten zu studieren, die häufig beigefügt sind. Nur für ganz wenige individuelle Antworten reichen meine Kapazitäten. Gleichwohl will ich nun versuchen, meine Sicht zu den Hartz-Gesetzen und mein Abstimmungsverhalten zu erklären.
das mit den vielen Zuschriften ist nur der Beleg dafür, wie nachhaltig Ströbele an seiner Abweichler-Maskerade herumgefeilt hat und deshalb auch von vielen vertrauensvollen WählerInnen in Berlin-Friedrichshain (Ost) direkt in den Bundestag hineingewählt wurde, die in ihm jemanden sahen, der sich vor allem für ihre ohnehin meist erbärmlichen sozialen Mindeststandards einsetzt. Einen Blender hatten sie nie und nimmer vermutet! - - - Jetzt wissen alle, wem sie aufgesessen sind! - - - Warum jammert er sogleich von Überlastung? Oder sind seine Apanagen so knapp bemessen, daß er sich keine Bürokräfte leisten kann?!
Strö: Auch ich sehe diese Gesetze nach wie vor sehr kritisch, wie auch meinen öffentlichen Kommentaren zu entnehmen ist.
Pharisäer! Zugestimmt hat er!
Strö: Letztendlich verhindern konnten wir die Verabschiedung der Hartz-Gesetze ohnehin nicht, denn CDU/CSU und FDP hatten angekündigt, Regelungen wie in der ursprünglichen Gesetzesfassung vorgesehen mittragen zu wollen. Jetzt, nach der Verabschiedung der veränderten Fassung, wollen sie im Bundesrat die Veränderungen wieder rückgängig machen.
Herr Lehrer, die anderen sind schuld, die haben mich gezwungen, jamer jammer ...
Strö: Sie ermutigen mich, dem "Mobbing" gegen die KritikerInnen der Hartz-Gesetzte zu widerstehen. Es ging jedoch nicht darum, ob wir einknicken und umfallen, ob wir dem Druck der Fraktionsführung nachgeben, sondern welches Verhalten mehr für die betroffene Bevölkerung einbringt. Wir haben uns gemeinsam für die letztere Variante entschieden.
Besser kann's ein Schmierenanwalt in den Hollywood-Schinken auch nicht - - - salbader vernebel salbader gelaber
Strö: Mit unserem Nein hätten wir ein Signal gegen die Gesetze gesetzt, mehr aber auch nicht. Durch Verhandlungen über eine Zustimmung konnten wir erreichen, dass die schlimmsten Grausamkeiten noch korrigiert wurden.
typisch geströbelt - das Signal wäre aber glaubwürdiger und hätte Zeichen gesetzt! Denn diese lachhaften Mini-Korrekturen werden eh im Vermittlungsauschuß wieder verkompromißt werden!
Strö: Trotz dieses Erfolges will ich die negativen Seiten des beschlossenen Gesetzespaketes und die dramatischen Einkommenseinbußen für viele Betroffene nicht kleinreden, sondern klar und deutlich benennen und immer weiter Veränderungen anmahnen.
ein paar Krokodilstränen machen sich immer gut
Strö: Aber auch ich kann mich der Notwendigkeit nicht verschließen, drastische Einsparungen vorzunehmen und die Systematik der sozialen Sicherungssysteme zu verändern.
warum nicht das 150milliarden € Subventionsdickicht auslichten? Warum wird nicht an die zigmilliarden € Beanstandungen, die der Rechnungshof alljährlich aufdeckt, herangegangen? Warum Eurofighter und Airbusse für den Kriegsminister? Und und und - - - aber uns tränenumflort von "keine Alternative" zum Sozialraubzug vorlabern und anschwindeln!
Strö: Es ist ja richtig, dass grundsätzlich die großen Unternehmen und die großen Vermögen mehr heranzuziehen sind, um die Kosten der Sozialsysteme zu tragen. Daran müssen wir arbeiten und ich tue das auch, aber kurzfristig hilft das nicht weiter.
bereits 5 Jahre an der Macht - - - ist das etwa zu kurzfristig?
Strö: Es ist leider nicht zu leugnen, dass für Renten, Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe und Gesundheitsversorgung mehr und mehr das Geld fehlt. (... laber jammer laber ...) Sollen die Sozialbeiträge der Leute, die Arbeit haben, nicht noch viel höher steigen, sind Einsparungen notwendig.
warum ist die einzige Alternative ausgerechnet der größte soziale Raubzug seit Bestehen der Bundesrepublik? Antwort: Herr Ströbele und GenossInnen sind davon nämlich nicht betroffen! Und bei den anderen Alternativen müßte man ja mächtige Lobbygruppen verärgern - - - und von denen bekäme man dann womöglich im Falle eines Falles keine Pfründe und Posten mehr!
Strö: Ich setze mich weiter für eine sozial gerechte Verteilung der Lasten ein. Ebensowenig wie Sie möchte ich "die Gesellschaft in Arm und Reich zumentieren". Was aber für die Lösung der einzelnen Probleme das Gerechte ist, ist damit noch nicht klar. Das gilt auch für Fragen, die mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe in das neue Arbeitslosengeld II zusammenhängen.
Wo bitte hat er sich denn für eine gerechte Verteilung eingesetzt und daß der Gerechtigkeitbegriff im sozialen Bereich je nach politischem Standpunkt interpretiert wird, ist keine Frage. - Aber ist RotGrün nicht auch wieder bei der letzten Wahl mit dem Slogan der sozialen Gerechtigkeit angetreten und hat konkret und wählereinlullend u. a. zum Beispiel versprochen, bei der notwendigen Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe würde das Niveau der AlHi aus guten Gründen nicht abgsenkt werden?! - Bewußt gelogen, wie gleich aus der verschwiemelten um 180° gedrehten Argumentation des Herrn Ströbele hervorgehen wird - übrigens der Kanzler hat diesen perfiden Sozialneid zwischen den Armen im Lande mit der gleichen zynischen wortbrüchigen Kaltschnäuzigkeit längst vorgegeben!
Strö: Weil Sozialhilfeempfänger und Langzeitarbeitslose letztlich aus demselben Topf, nämlich dem Steuertopf, ihr Geld erhalten, macht es Sinn beide Leistungsarten zusammenzulegen. Das führt zur Vereinfachung der Abwicklung der Leistungen, ein Vorteil für Leistungsempfänger und Ämter.
jeder vernünftige Mensch wird hier zustimmen! - Aber was jetzt kommt ...
Strö: Wenn aber die Existenz all dieser LeistungsempfängerInnen aus Steuermitteln gesichert wird, scheint es mir nicht gerecht zu sein, dass die ArbeitslosenhilfeempfängerInnen, die vor ihrer Arbeitslosigkeit mehr an Einkommen hatten, nun auch vom Staat mehr Arbeitslosenhilfe erhalten als die, die schon für ihre Arbeit weniger Lohn erhalten hatten. So lautet aber die bisherige Regelung. Es hat doch einiges für sich, dass alle, die vom Staat aus Steuermitteln Hilfe erhalten, gleich viel - oder besser - gleich wenig bekommen sollen und keiner und keine mehr, ob sie nun vorher Sozialhilfeempfänger waren oder ein höheres Arbeitseinkommen hatten.
nicht nur, daß dieses sicher längst auch vor der letzten BT-Wahl vorhandene Meinungsbild bei den Verantwortlichen von RotGrün ein eklatanter Wortbruch gegenüber den Wahlversprechen ist - - - es zeigt einmal mehr die zynische, fast menschenverachtende Abgehobenheit der Berufspolitikerkaste auf! - Einzelschicksale von Hunderttausenden und brutale Ungerechtigkeit interessieren nicht, man ist selber ja eh nicht betroffen. Jegliches Unrechtsbewußtsein fehlt dieser Mischpoke! Da schürt man doch schnell mal ein bißchen Sozialneid untereinander und schon sind Hunderttausende diffamiert und diskriminiert - die Opposition spielt mit und schon klopft man sich gegenseitig auf die Schultern und sahnt selber ab was abzusahen geht! Pfui Teufel oder besser pfui Ströbele!
(In einem der nächsten Beiträge gehe ich konkret und detailliert auf den seit über 20 Jahren bestehenden Grundgedanken, auf die eigentliche sinnvolle Idee der Arbeitslosenhilfe ein, die gerade von der SPD als notwendige und begründete soziale Errungenschaft gefeiert wurde!)
Strö: Über die Höhe der Zahlungen zur Sicherung der Existenz muss man sicher streiten. Das Arbeitslosengeld II, das jetzt an die Stelle von Arbeitslosenhilfe und für viele heutigen SozialhilfeempfängerInnen an die Stelle von Sozialhilfe tritt, ist nicht viel höher als die heutige Sozialhilfe. Es sind nur ein paar Euro mehr, weil die Sachleistungen pauschalisiert dazu gerechnet werden, unabhängig davon, ob sie im Einzelfall tatsächlich notwendig sind.
Die geringe Höhe dieses neuen Arbeitslosengeldes II ist sicher nicht nur ein Problem, sondern eigentlich eine Zumutung, aber mehr ist angeblich derzeit nicht finanzierbar. Schlechter gestellt sind damit vor allem die, die früher ein höheres Arbeitseinkommen hatten und deshalb bisher mehr Arbeitslosenhilfe erhalten.
trotz der erkannten Menschenunwürdigkeit der beabsichtigten Regelung hat Ströbele zugestimmt - reicht da der Begriff "zynischer Heuchler" noch?!
Strö: Wie mir gesagt wird, haben die Menschen, die ein niedriges Arbeitseinkommen hatten, bislang ohnehin vielfach weniger Arbeitslosenhilfe erhalten als sie Sozialhilfe beanspruchen können und deshalb ergänzende Sozialhilfe erhalten. Diese Menschen würden mit Arbeitslosengeld II nicht schlechter gestellt als heute.
"wie mir gesagt wird ..." - schon wieder sind's die anderen! Der Rest fällt unter perfiden Zynismus und Scheinheiligkeit.
Strö: (... Selbstbeweihräucherung laber salbader ...) Wie es nach der Blockade gerade dieser Verbesserungen im Bundesrat weitergeht, werden wir sehen.
Ich hoffe, ich stoße mit meinen Überlegungen bei Ihnen auf Verständnis und kann Sie davon überzeugen, dass wir uns mit den Problemen ernsthaft auseinandersetzen, selbst wenn Sie nicht alle meine Argumente teilen.
von den Ströbeles kann selbst Hollywood noch lernen wenn es nicht ein zu ernstes Thema wäre, könnte man drüber lachen - - - so aber empfinde ich nur tiefen kalten Zorn über diese Art von Politikverständnis unserer sogenannten Volksvertreter. Die Demokratie verhärtet und verkommt offenbar immer mehr zum Selbstbedienungsladen mächtiger Lobbygruppen, darunter Berufspolitiker, auf Kosten derer, die sich eh schon im untersten Levelbereich der Einkommensskala befinden. Die Segnungen der Globalisierung?
bjk
Reife ist schärfer zu trennen und inniger zu verbinden
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Ralf.
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Erstellt: 13.11.03, 15:25 Betreff: Re: Eine späte Antwort zu Hartz - von Chr. Ströbele (grün)
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Ist nur zu hoffen, daß es genügend Friedrichsheinern auch klar wird, wen sie da direkt gewählt haben. Bei den meisten Abgeordneten weiß man ja - wenn man nicht gerade durch die getönte Parteibrille guckt -, wen man wählt und wen man abstraft. Am Schlimmsten freilich sind die Ströbeles, die es verstehen, sich beim Bürger einzuschleimen, die den Robin Hood markieren, um dann in die goldene Kutsche zu steigen und im modernen Raubrittertum mitzuwegelagern. - Recht haste, bjk: pfui Ströbele ...
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Anja.
Ort: Mainz
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Erstellt: 14.11.03, 11:47 Betreff: Re: Eine späte Antwort zu Hartz - von Chr. Ströbele (grün)
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NAchdem es mir nun endlich gelungen ist, die Antwort von Ströbele zu lesen und auch zu verstehen (obwohl ich mir da immer noch nicht ganz sicher bin, so viele Widersprüche und Rechtfertigungen sind darin vorhanden), kann ich Euch eigentlich nur zustimmen - ich weiß nicht, was aus der Partei, die zu der Zeit in den Bundestag einzog, als ich selbst das erste Mal zur Urne schritt - und die für mich damals doch endlich irgendwie das verkörperten, was ich schon immer vermisst habe.....diese Partei spaltete sich schon nach ganz kurzer Zeit in sich selbst auf - und schaffte es bis heute nicht, ein sinnvolles Konzept und eine sinnvolle Durchführung dieses Konzeptes auf die Beine zu stellen. Seit sie an der Regierung mit unserer sogenannten "S"PD sind, hat sich diese Partei in einer Art und Weise als der "Wendehals" entpuppt, der doch jahrelang der FDP vorgeworfen wrude. Die "Tunrschuh"generation, allen voran Joschka Fischer - passte sich in einer Art und Weise nicht nur dem üblichen Aussehen des Deutschen Bundestages an, nein, auch dem Verhalten, der Verlogenheit und der Ignoranz des Wählers.
Vielleicht ist es Idealismus von mir, da ich es gerne hätte, aber es gibt einige Personen unter den damaligen "Ursprungsgrünen", die ich heute mehr als schmerzlich vermisse - sie sind entweder nicht mehr am Leben (Petra Kelly) oder aber in der Versenkung verschwunden (Jutta Dittfurth)
Mag jeder dazu seine Meinung haben, aber ich bin einfach nur noch enttäuscht - falls ich wirklich noch einmal zur Wahl gehen sollte, werde ich, wie Bernd hier einmal sagte, nur noch einen ungültigen Stimmzettel abgeben - dass einer dieser verlogenen Möchtegerndemokraten von mir auch noch seine ABfindung bekommt, sehe ich im Traum nicht ein.
Deshalb: Für den Volksentscheid! Anja
Was morgen ist, auch wenn es Sorge ist: ich sage "Ja"
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Sirwilli
Beiträge: 59 Ort: Neu-Ulm
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Erstellt: 12.12.03, 15:56 Betreff: Re: Eine späte Antwort zu Hartz - von Chr. Ströbele (grün) o.T.
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[editiert: 18.12.03, 23:41 von Sirwilli]
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Sirwilli
Beiträge: 59 Ort: Neu-Ulm
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Erstellt: 13.12.03, 14:00 Betreff: Re: Eine späte Antwort zu Hartz - von Chr. Ströbele (grün)
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Viel Musik hören, mein alter Greis, Arbeitszeit verkürzen, und zurücklehnen. Ich empfehle PATRICIA KAAS. Zunächst "Il me dit, que je suis belle, und dann irgendwann:
"entrer dans la lumiere"
[editiert: 23.12.03, 12:04 von Sirwilli]
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Sirwilli
Beiträge: 59 Ort: Neu-Ulm
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Erstellt: 13.12.03, 18:33 Betreff: Re: Eine späte Antwort zu Hartz - von Chr. Ströbele (grün) o.T.
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[editiert: 18.12.03, 23:51 von Sirwilli]
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Ralf.
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Erstellt: 13.12.03, 18:48 Betreff: Re: Eine späte Antwort zu Hartz - von Chr. Ströbele (grün)
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Zitat: Sirwilli
Vor Jahren hatten wir bei den Grünen noch die Verkürzung der Arbeitszeit im Programm ("Arbeit gerecht verteilen"). Nichts anderes steht auf der Tagesordnung. |
An den Grünen kann man wirklich die Verkommenheit unseres Systems ablesen, weil man den unmittelbaren Vergleich hat zwischen ihren Gründungsimpulsen (Vertretung der Bürgerinitiativenbewegung im Parlament Ende der 70er Jahre) und ihrem heutigen Erscheinungsbild. Mir wurde dieser Weg allerdings bereits während des Gründungsparteitages in Karlsruhe klar und das veranlaßte mich - damals noch Mitglied - dazu, auch sie nicht zu wählen ...
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